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Als „Schimmel“ werden umgangssprachlich Pferde bezeichnet, die einen hohen Anteil an weißen Haaren zeigen, aber keine Schecken sind. Dabei ist auch die Differenzierung zwischen „Dauerschimmel“ und „fortschreitenden Schimmel“ entstanden.

Der fortschreitende Schimmelfaktor

Der graduelle Verlust der Fellfarbe mit dem Alter eines Pferdes wird als „Ausschimmeln“ (engl.: „greying“) bezeichnet. Ausgelöst wird dieser Farbverlust durch das Absterben von Pigment-produzierenden Zellen (Melanozyten). Dies passiert erst nach und nach, sodass die Haare nach der Geburt noch normal pigmentiert sein können. Alle nachwachsenden Haare jedoch verblassen langsam zu weißen Haaren, da durch die fehlenden Melanozyten keine neuen Pigmente mehr produziert werden können. Wie schnell ein Pferd „ausschimmelt“ ist individuell und kann abhängig sein von der Grundfarbe des Pferdes, der Rasse und dem Genotypen (Tiere mit zwei Kopien der Mutation werden schneller weiß, als Tiere mit einer Kopie). Paradoxerweise scheinen Schimmelfohlen nach der Geburt oft „hyperpigmentiert„. Daher wird vermutet, dass die Mutation dazu führt, dass die Melanozyten zu viele Pigmente in zu kurzer Zeit produzieren und diese sich dadurch „kaputt arbeiten“.

Auch die Haut kann ihre Farbe verlieren („Vitiligo“), sodass sich rosafarbene Hautareale um Augen und Maul bilden.

Das Pferd durchläuft meist verschiedene Stadien der Schimmelung und es kommt zu temporären Fellfärbungen wie  die Apfelschimmelung und die Stichelhaarigkeit. Manche Pferde sind irgendwann komplett weiß, während andere irgendwann scheinbar aufhören mit dem „Ausschimmeln“. Auch eine Repigmentierung kann teilweise erfolgen, indem bereits weiße Stellen sogenannte „Fliegenflecken/Muskatflecken“ oder „Blutmale“ bilden. Auch hier scheint der Genotyp eine Rolle zu spielen: Es wird vermutet, dass Heterozygote (eine Kopie der Mutation) solche Flecken eher entwickeln, als Homozygote (zwei Kopien).

Auch Krankheiten sind mit diesem Schimmel-Phänotypen assoziiert: Das Gen, das für das Absterben der Pigment-produzierenden Zellen verantwortlich ist, ist auch dafür bekannt, Krebs zu begünstigen. Daher erkranken Schimmel mit größerer Wahrscheinlichkeit an Melanomen (Schimmelmelanome).

 

Der Dauerschimmel

Eine bestehende und nicht-progressive Stichelhaarigkeit wird als „Dauerschimmelung“ (engl.: „roan“) bezeichnet. Die Ausprägung dieser Schimmelung kann zwar saisonal variieren, wird aber ist nicht mit dem fortschreitenden Verlust der Pigmentierung assoziiert. Im Gegensatz zu den fortschreitenden Schimmeln gibt es hier normalerweise kein graduelles Absterben von Melanozyten. Stattdessen ist das für die Dauerschimmelung verantortliche Gen in der Bildung der Melanozyten involviert. Es wird vermutet, dass die Mutation einfach die Zahl der in der Embryonalentwicklung gebildeten Melanozyten vermindert und daher manche Haare keine Pigmente enthalten.

Die Vererbung der Dauerschimmelung ist dominant und die Mutation liegt im sogenannten KIT-Lokus. Mutationen in diesem Lokus erzeugen auch Scheckenmuster, wie z.B. Tobiano-Schecken, Sabino-1, White Spotting. Dieses Gen spielt außerdem eine wichtige Rolle in der Embryonalentwicklung und der Bildung verschiedener Proteine. Lange dachte man, dass zwei Kopien der auslösenden Mutation zu einer frühen Abortion des Fohlens führten. Dies stellte sich bei genaueren Studien als Falsch heraus. Die Ausprägung der Schimmelung scheint unverändert, egal, ob eine Kopie der Mutation vorliegt, oder zwei.

Die genaue Mutation für die Stichelhaarigkeit ist noch nicht bekannt. Sie scheint jedoch mit verschiedenen anderen Genen verlinkt zu sein, die ebenfalls bei der Farbgebung eine wichtige Rolle spielen.

Verfügbare Tests:

(Auf den Dauerschimmelfaktor kann zur Zeit leider noch nicht getestet werden.)

 

Die „Muskatflecken“ entstehen durch Repigmentierung und können entweder, wie bei diesem Pferd, rötlich-braun sein oder dunkel bis schwarz (Fliegenflecken).

 

 

Ein Dauerschimmel zeigt oft stärker pigmentierte Beine und Kopf, während der Rest stichelhaarig ist. Der Weißanteil kann je nach Jahreszeit variieren. Bild: Fuchsdauerschimmel.

Stute mit „Äpfelung“ am Körper und „Muskatflecken“ im Gesicht. Fohlen mit leichter Stichelhaarigkeit im Hals- und Schulterbereich.

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